Beispiele aus Rückbauprojekten:
Rückbau des Reaktor- und Absetzblocks FRJ-1 (MERLIN) im Forschungszentrum Jülich (FZJ)
MERLIN = MEDIUM ENERGY RESEARCH LIGHT WATER MODERATED INDUSTRIAL NUCLEAR REACTOR
Auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich (FZJ) wurde von 1964 bis 1985 der Forschungsreaktor FRJ-1 (MERLIN) betrieben. Es handelte sich dabei um einen Leichtwasser-moderierten Schwimmbadreaktor mit nach oben offenem Reaktortank und einer thermischen Leistung von zuletzt 10 MW. Der FRJ-1 war charakterisiert durch eine komplizierte Aufbauform hinsichtlich der Geometrie und Werkstoffkombination der Strukturen. Der FRJ-1 wurde 1985 endgültig abgeschaltet und in den Stillstandsbetrieb überführt. Nach der Entfernung der Brennelemente aus dem Reaktor wurde mit dem Rückbau begonnen.
Die GNS hat Ende 2000 in einem Konsortium vom FZJ den Auftrag zum Rückbau des Reaktor- und Absetzblocks erhalten. Basierend auf dem von GNS erstellten Rückbaukonzept wurden zunächst sämtliche Verfahrensschritte in einer Detailplanung entwickelt. Insbesondere waren dabei folgende Punkte zu beachten:
- Minimierung der Kollektivdosis,
- Minimierung des radioaktiven Abfalls,
- Materialtrennung bei Mischkomponenten.
Der Rückbau erfolgte in einzelnen Abbauphasen, von oben nach unten, beginnend mit dem Abbau des Reaktortops und der Anbauten am Reaktorblock sowie dem Abbau des Reaktorblocks von innen nach außen zur Ausnutzung der maximalen Abschirmungswirkung. Der Abbau der im Wesentlichen aus Beton, Stahl, Blei und Aluminium bestehenden Strukturen erfolgte durch speziell ausgelegte mechanische und thermische Trennverfahren. Aufgrund der Dosisbelastung am Arbeitsort wurden auch ferngesteuerte elektrohydraulische Arbeitsmaschinen eingesetzt, die neben den eigentlichen Abbrucharbeiten, z.B. mittels Hydraulikhammer, auch Greif- und Positionierarbeiten ausführten.
Die Arbeiten erfolgten von einer am Reaktorblock installierten, umlaufenden Arbeitsplattform aus, deren Höhe entsprechend dem Rückbaufortschritt angepasst werden konnte. Die Arbeitsplattform war mit einer speziellen Schutzzeltkonstruktion eingehaust. Diese Einhausung wies einen integrierten Brückenkran sowie eine spezielle Lüftungstechnik zur Sicherstellung einer zielgerichteten Luftströmung auf.
Der Rückbau des Reaktor- und Absetzblocks wurde Ende 2003 erfolgreich abgeschlossen. Die abgebauten Materialien wurden chargenspezifisch in einem Datenbanksystem vor Ort erfasst und zur weiteren Behandlung und Entsorgung an die Entsorgungseinrichtung Dekontamination des FZJ übergeben. Die insgesamt abgebaute Materialmenge betrug ca. 1.060 Mg.
Die Arbeiten umfassten:
- Rückbauplanung,
- Konstruktion, Beschaffung und Bereitstellung der erforderlichen Arbeitsmittel und Werkzeuge,
- Strahlenschutz,
- Durchführung der Demontagearbeiten sowie
- Mess-, Dokumentations- und Transportaufgaben.