Wiederaufarbeitungsabfall optimal behandelt: die Glaskokille
Bei der Wiederaufarbeitung werden die Brennelemente mechanisch zerkleinert und durch ein chemisches Verfahren in wieder verwertbare Kernbrennstoffe und Abfall getrennt. Rund 95 % des Abfalls ist schwach- oder mittelradioaktiv und nur ein geringer Anteil hochradioaktiv. Letzterer enthält etwa 98 % der Aktivität des gesamten Abfalls und entwickelt durch seine Strahlung Wärme. Der hochradioaktive Abfall (High Active Waste -HAW) wird bei ca. 1.100 °C mit einem Spezialglasgranulat zu einem Glasprodukt verschmolzen. Die noch flüssige Glasmasse wird in einen Edelstahlbehälter, die sogenannte Kokille, gefüllt und erstarrt beim Abkühlen. Anschließend wird die HAW-Kokille mit einem Edelstahldeckel verschweißt.
Was bedeutet "verschmelzen"?
Das Verschmelzen ist vergleichbar mit dem Einfärben von Glas. Hierbei bildet der Farbstoff, zum Beispiel Eisen bei grünen Weinflaschen und Kobalt bei blauen Vasen, eine Einheit mit dem Glas und lässt sich durch Zerkleinern oder Erhitzen nicht entfernen.
Qualitätssicherung und Kontrolle
Die Qualität und die Eigenschaften einer Glaskokille werden durch den Herstellungsprozess bestimmt. Daher unterliegt dieser einer mehrfach gestaffelten Kontrolle – durch die Qualitätssicherungsorganisation des Anlagenbetreibers, durch die zuständigen staatlichen Kontrollorgane in Frankreich und durch die für die Zwischen- und Endlagerung von radioaktiven Stoffen zuständigen deutschen Behörden und ihren unabhängigen Sachverständigen.
Durch diese öffentliche Aufsicht und Kontrolle ist die Einhaltung der von den deutschen Behörden festgelegten Randbedingungen für die Rücknahme der Abfälle in die Bundesrepublik und für die Zwischenlagerung in Gorleben gewährleistet. So kontrollieren zum Beispiel die Experten des Bundesamtes für Strahlenschutz die Einhaltung der konkret festgelegten Eigenschaften der Kokillen, führen Inspektionen vor Ort durch und prüfen die Tätigkeit der eingeschalteten Stellen für die Qualitätssicherung.
Im Auftrag des Niedersächsischen Umweltministeriums überwachen unabhängige Sachverständige die Beladung der Transport- und Lagerbehälter in Frankreich, um sicherzustellen, dass die Annahmebedingungen für die spätere Zwischenlagerung in Gorleben eingehalten werden.
Die Behälter: eine Säule der Sicherheit
Ein wesentliches Glied in der Sicherheitskette beim Umgang mit HAW-Kokillen bilden die Transport- und Lagerbehälter CASTOR® HAW 20/28 CG. Jeder fasst maximal 28 Kokillen und wiegt beladen über 110 Tonnen. Die Behälter werden aus einem Spezialguss beziehungsweise Schmiedestahl gefertigt. Die Dichtheit des Behälterverschlusses ist durch ein zweifaches Deckelsystem gewährleistet. Die Behältertypen haben vor ihrer Zulassung als Transport- und Lagerbehälter durch das Bundesamt für StrahIenschutz eine Vielzahl von Prüfungen bestanden: zum Beispiel Fall- und Feuertests. Sie bleiben auch bei schwersten Unfällen dicht.
Sicher ist sicher - auch beim Transport
Die Konstruktion der Transportbehälter und umfangreiche Kontrollen zur Einhaltung der Grenzwerte vom Beladen bis zum Eintreffen im Zwischenlager Gorleben stellen sicher, dass für die Bevölkerung an der Transportstrecke und das Begleitpersonal keine Gefährdung besteht. Das hat die Gesellschaft für Reaktorsicherheit, ein Beratungsorgan des Bundesumweltministeriums, bestätigt. So ist die Strahlenbelastung des Transportpersonals geringer als die von Flugbegleitern oder Passagieren bei einem Transatlantik-Flug. Für die Bevölkerung an der Fahrtstrecke beträgt sie nur einen Bruchteil davon.
Eine wichtige Aufgabe: Die Zwischenlagerung von Glaskokillen
Stark wärmeentwickelnde Abfälle wie HAW- Kokillen müssen rund 20 Jahre zwischengelagert werden. In dieser Zeit kühlen sie soweit ab, dass sie danach in ein unterirdisches Endlager gebracht werden können. Für die Aufnahme ausgedienter Brennelemente und hoch radioaktiver Abfälle betreibt die GNS in Gorleben ein Zwischenlager. Hier werden unter anderem auch HAW-Kokillen in Behältern vom Typ CASTOR® HAW 20/28 CG bis zu ihrer Verbringung in ein Endlager zwischengelagert.