Zwischenlager Gorleben

Etwa 2 Kilometer südlich der Gemeinde Gorleben befindet sich das Zwischenlager Gorleben, das von GNS betrieben wird. Auf dem Werksgelände befinden sich das Transportbehälterlager (TBL-G), das Abfalllager (ALG) sowie die Pilot-Konditionierungsanlage (PKA).

Transportbehälterlager Gorleben (TBL-G)

Seit 1995 werden im Transportbehälterlager Gorleben (TBL-G) ausgediente Brennelemente aus Kernkraftwerken zwischengelagert, die für den Entsorgungsweg der Direkten Endlagerung vorgesehen sind.  Heute lagern in Gorleben insgesamt fünf Behälter mit Brennelementen.

Darüber hinaus verfügt das TBL-G als einziges Zwischenlager der Energieversorger in Deutschland über eine Aufbewahrungsgenehmigung für verglaste hochradioaktive Abfälle, wie sie aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in Frankreich und Großbritannien zurückgenommen werden müssen. 1996 wurden die ersten HAW-Glaskokillen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in Frankreich in das TBL-G transportiert. Insgesamt wurden aus Frankreich mit zwölf Transporten, der letzte davon im Jahr 2011, 108 Behälter mit jeweils 28 Glaskokillen zurückgenommen. Darüber hinaus war vorgesehen, weitere 21 Glaskokillen-Behälter mit hochaktiven Abfällen aus Sellafield sowie nochmals fünf Behälter mit mittelaktiven Abfällen aus La Hague nach Gorleben zu bringen.

Mit dem Inkrafttreten von Artikel 2 Nr. 3 des Standortauswahlgesetzes (§ 9a Absatz 2a AtG) am 1. Januar 2014 haben die Energieversorger „dafür zu sorgen, dass die aus der Aufarbeitung bestrahlter Kernbrennstoffe im Ausland stammenden verfestigten Spaltproduktlösungen zurückgenommen und in standortnahen Zwischenlagern (…) bis zu deren Ablieferung an eine Anlage zur Endlagerung radioaktiver Abfälle aufbewahrt werden.“

Da es sich beim Zwischenlager Gorleben im Sinne des Atomgesetzes (AtG) um ein zentrales und kein standortnahes, also an einem Kernkraftwerksstandort gelegenes, Zwischenlager handelt, ist die ursprünglich für die kommenden Jahre vorgesehene Einlagerung der letzten CASTOR®-Behälter mit verglasten Wiederaufarbeitungsabfällen in das Zwischenlager Gorleben ausgeschlossen. Dies betrifft sowohl die 21 Behälter mit hochradioaktiven Abfällen aus England als auch die fünf noch aus Frankreich zurückzunehmenden Behälter mit zwar nur mittelradioaktiven, aber ebenfalls spaltprodukthaltigen verglasten Abfällen.

Die im Transportbehälterlager aufbewahrten radioaktiven Abfälle entwickeln noch Wärme und müssen deshalb mehrere Jahrzehnte abkühlen, bevor sie an ein Endlager abgegeben werden können. Aufgrund ihrer hohen Strahlung sind auch besondere Schutzmaßnahmen erforderlich. Ihr Transport und die Zwischenlagerung erfolgen daher in eigens dafür entwickelten Sicherheitsbehältern, z. B. vom Typ CASTOR®. Diese Behälter sind so konstruiert, dass sie bereits alle Schutzfunktionen erfüllen. So gelangen keine radioaktiven Stoffe in die Umwelt und nur ein Bruchteil der ursprünglichen Gamma- und Neutronenstrahlung wird nach außen abgegeben. In umfangreichen Tests wurde nachgewiesen, dass der CASTOR® selbst bei schweren Unfällen seinen Inhalt weiterhin sicher einschließt. Darüber hinaus wird die Dichtheit der Behälter während der gesamten Zwischenlagerzeit ständig überwacht. Die Transportbehälter-Lagerhalle ist so konstruiert, dass die von den Behältern abgegebene Wärme durch die natürliche Luftkonvektion abgeführt wird.

Auf einer Nutzfläche von ca. 5.000 m² verfügt das TBL-G über 420 Stellplätze für Transport- und Lagerbehälter mit einer genehmigten Gesamtkapazität von 3.800 Mg Schwermetall. Derzeit sind 113 Stellplätze belegt.

Abfalllager Gorleben (ALG)

Im Abfalllager Gorleben (ALG) werden seit 1984 verpackte schwach- und mittelradioaktive Abfälle zwischengelagert, die vor allem aus dem Betrieb der deutschen Kernkraftwerke aber auch aus Forschung und Industrie stammen.

Die Kapazität der 4.500 m² großen und  5 Meter hohen Lagergassen mit sechs Lagerkammern beträgt 15.000 Kubikmeter. Als Gebindetypen sind für die Zwischenlagerung Container und Rundbehälter in Stahl, Beton oder Gusseisen zugelassen.

Ein umfangreiches Verfahren regelt den Weg des radioaktiven Abfalls von der Entstehung über die verschiedenen Behandlungsstufen bis zur Zwischenlagerung in Gorleben. Die Einlagerung erfolgt unter der Aufsicht unabhängiger Sachverständiger, die hierzu durch das Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg beauftragt werden. Sie überprüfen bereits im Vorfeld, dass im Abfalllager Gorleben nur solche Stoffe angeliefert werden, für deren Zwischenlagerung eine Genehmigung besteht. Die Zuständigkeit liegt beim NMU.

Zur Dokumentation der Abfälle und durchgeführten Behandlungs- und Prüfschritte wurde für das ALG ein heute bundesweit eingeführtes rechnergestütztes Abfallverfolgungssystem entwickelt.

Pilot-Konditionierunganlage (PKA)

In der Pilot-Konditionierungsanlage (PKA) sollten Verfahren erprobt werden, um Brennelemente zu behandeln und endlagergerecht zu verpacken – zu „konditionieren”. In der als Mehrzweckanlage geplanten PKA können jedoch aufgrund ihrer technischen Einrichtungen auch weitere Arbeiten durchgeführt werden, wie die Wartung und Inspektionen aller Typen von Transport- und Lagerbehältern.

Aufgrund der Veränderungen der politischen Rahmenbedingungen und insbesondere der mit dem Standortauswahlgesetz neu gestarteten Endlagersuche ist ein Konditionierungsbetrieb in der PKA nicht mehr zu erwarten. Lediglich für eine mögliche Behälterwartung ist die PKA derzeit weiterhin im Stand-By-Betrieb.

Radiologische Überwachung

Bereits seit 1983 werden am Zwischenlagerstandort Gorleben nach festgelegten Vorgaben umfangreiche Messungen durchgeführt. Neben der rund um das Zwischenlagergelände permanent überwachten Dosisleistung („Strahlung“) werden regelmäßig Proben aus Luft, Niederschlag, Boden, Grundwasser und Vegetation auf radioaktive Stoffe untersucht. Die Auswertung dieser Proben aus der Umgebung hat auch für 2015 keine aus dem Betrieb des Zwischenlagers stammende Radioaktivität ergeben. Die Ergebnisse zeigen, dass es auch keine durch die Behälter aktivierten Staubteilchen in messbarer Größenordnung gibt. Lediglich aus dem Reaktorunfall von Tschernobyl und von oberirdischen Kernwaffentests stammende Nuklide sowie natürliche radioaktive Stoffe wurden nachgewiesen.

Die Jahresberichte der Umgebungsüberwachung liegen im Informationshaus des Zwischenlagers in Gorleben aus oder können hier heruntergeladen werden.  

Staat übernimmt Zwischenlager

Mitte Oktober 2016 hat das Bundeskabinett das „Gesetz zur Neuordnung der Verantwortung der kerntechnischen Entsorgung“ verabschiedet. Es dient der Umsetzung der Empfehlungen der Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs (KFK), die ihren Bericht im April vorgelegt hatte. Danach soll der Staat nicht mehr nur wie bisher für die Endlagerung, sondern künftig bereits für die Zwischenlagerung radioaktiver Abfälle die Verantwortung übernehmen. Die Finanzierungslast soll durch die Energieversorger (EVU) als Abfallverursacher getragen werden, indem sie die notwendigen liquiden Mittel in einen öffentlich-rechtlichen Fonds einzahlen. Das Gesetz soll zügig im parlamentarischen Verfahren verabschiedet werden.

Gemäß dem derzeitigen Gesetzesentwurf sollen alle Lager der EVU, darunter auch die Zwischenlager der GNS in Ahaus und Gorleben, im Jahr 2019 (BE/HAW) bzw. 2020 (LAW/MAW) vom Staat übernommen werden.  

Besichtigung des Zwischenlagers

Gerne können Sie sich vor Ort auf unserem Werksgelände über unsere Arbeit informieren. Behördliche Auflagen für eine Betriebsführung erfordern eine frühzeitige Terminabsprache für Ihren Besuch, das rechtzeitige Vorliegen der ausgefüllten Teilnehmerlisten sowie einen gültigen Personalausweis zum Besuchstermin.

Neben unserem Werksgelände vermitteln in unserem Informationshaus in Gorleben zahlreiche Modelle, Schautafeln und Kurzfilme einen Eindruck von unserer Arbeit.

GNS Gesellschaft für Nuklear-Service mbH
Werk Gorleben
Lüchower Str. 8
29475 Gorleben

E-Mail: gorleben@gns.de
Telefon: 05882 10-146